Dienstag, 3. März 2009
-25-4- Die Erziehung eines Hasenkindes
Ganz atemlos sitzt Hasen-Franz
geduckt im Nest aus Gras.
Lief aus der Schule ganz geschwind
das Ränzlein wurd' schon naß.

Der warme Frühlingsregen fällt leis'
aufs Dach von Laub.
Der würzig' Duft der Gräser
macht Häschens Sinne taub.

Es atmet tief und selig die Luft
des Frühlings ein.
Und wird ganz plötzlich traurig
grad' hier allein zu sein

Man ist ja schließlich Hase
und schon ein ganzer Mann.
Kennt doch auch von der Häsin
das ganze Drum und Dran.

Das letzte Hasen-Volksfest
hat viel für ihn gebracht.
Er hat getanzt, getrunken
geküßt die halbe Nacht.

Doch hier - im feuchten Grase
allein mit der Natur
Da denkt der Has' ganz plötzlich
ans Hasen-Abitur.

Er muß noch Perlen fädeln
aus Glas auf Schnüre fein.
Und Eier bunt bemalen
fürs kleine Schwesterlein.

Den Oster-Vers noch lernen
ganz artig aus dem Kopf.
Der Hasen-Schuldirektor
zieht sonst an Ohr und Schopf!

Er muß auch für die Schule
noch schreiben groß und klein.
Und noch Figuren turnen
fürs Sportfest vom Verein.

Er kommt aus bess'ren Kreisen
das sieht ein jeder hier.
Und ist der beste Junghas'
hier draußen im Revier. -

Kramt eifrig nun im ränzel
nach Stiften und Papier.
Und schreibt auf blauem Bogen
ein Liebesbrieflein ihr.

Er schreibt der leck'ren Sophie
von mancher Sinneslust
Und räkelt sich im Grase
als wär's der Liebsten Brust.

Er spricht da von Gefühlen
vom Has' zur Hasenfrau
Und würde gern sie führen
hinaus zur grünen Au. -

Doch gelten strenge Regeln
hier drauß' im Hasen-Land
Erst recht für freche Lümmel
mit ihrer schnellen Hand!

So spricht der Hasenvater
gar streng zu seinem Sohn:
"Mein lieber Franz, die Sophie
wirst du doch wohl verschon'!"

Da neigt der Franz, der Hase,
errötend nun sein Haupt
Und sagt zu seinem Vater:
"Was ihr nun immer glaubt!"

Die Mutter steht daneben
und ist gar sehr beleibt.
Und denkt für sich im Geiste,
was ihr Herr Sohn wohl treibt!?

Sie selbst ist nämlich schwanger
vom Hasen-Papa grad'.
Das fünfte Mal - wie schrecklich! -
blieb ihr doch nicht erspart!

So nimmt sie sich das Fränzchen
mal eines Tages vor,
Das Fernseh'n zeigt grad Fußball
der Vater schreit laut: TOR!!!

In dieser ruhigen Stunde
gibt sie ihm das Gefühl
Daß wahre Liebe mehr ist
als einfach nur Gewühl.

Man muß sich r i c h t i g mögen
mit allem Drum und Dran
Mit dieser Lebens-Kunde
kam sie gut bei ihm an.

Von nun an legt er zärtlich
den Arm ums Sophilein.
Und legt mit ihr ein Nest an
weit draußen hinterm Hain.

Er nimmt nun Zeit und Muße
zum Kennenlernen sich.
Und läßt in schlechten Zeiten
die Liebste nicht im Stich! -

Von beiden Hasen-Eltern
ist Mutter Diplomat.
Der Vater ist viel strenger
und urteilt oft so hart.

Man sieht - im Hasenleben
Ist's auch nicht immer leicht,
Wenn Hasen wie die Menschen
die große Angst beschleicht...
--
Adele
adeles.lyrik194528.1.030809@lr78.com

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